Das Kloster Ebstorf ist eines der sechs „Heideklöster“, zu denen auch die Klöster  Isenhagen, Lüne (bei Lüneburg), Medingen, Walsrode und Wienhausen gehören und die von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden.

Das Kloster Ebstorf wurde um 1160 wahrscheinlich als Prämonstratenser-Kloster mit dem Heiligen Mauritius als Schutzpatron gegründet. Nach einem Brand Ende des 12. Jahrhunderts kamen Benediktinerinnen aus dem Raum Walsrode in das Kloster. Seit dieser Zeit wird das Kloster in ununterbrochener Folge von Frauen bewohnt.

Das Kloster wurde von Volrad von Bodwede, Graf von Dannenberg und einem Neffen von Heinrich dem Löwen, gestiftet. Im Jahre 1197 wurde es das erste Mal urkundlich erwähnt. Es entwickelte sich zu einem Marienwallfahrtsort. Nach der Reformation, die erst nach hartnäckigen Widerständen durchgeführt werden konnte,  wurde es ein evangelisches Konvent . Erst mehr als dreißig Jahre nach der Einführung des lutherischen Glauben durch den Welfenherzog Ernst den Bekenner ist die Wahl der ersten evangelischen Domina (Vorsteherin des Konventes) belegt.

Die Klostergebäude aus dem 14. Jahrhundert, im Stil der norddeutschen Backsteingotik, sind bis heute noch vollständig erhalten, ebenso wie die Hallenkirche mit der Nonnenempore. Die Propstei wurde im 15. Jahrhundert unter dem Probst Matthias von dem Knasebeck erbaut. In seine Zeit als Probst fiel auch die Durchführung der „Bursfelder Reform“, durch die die Nonnen zu einem sittenstrengeren Leben zurückgeführt werden sollten.

Nachdem sich um 1565  die Reformation im Kloster vollständig durchgesetzt hatte, versorgten sich die Konventualinnen selbst. Das hatte für den Klostergarten gravierende Folgen. Anstelle des großen gemeinsamen Gemüse- und Kräutergartens traten einzelne Parzellen, die sogenannten Damengärten.

Neben dem etwas größeren Äbtissinnengarten und den Damengärten blieb nur die Bleiche erhalten und – als eine Besonderheit des Klosters Ebstorf – das aus dem 19. Jahrhundert stammende Bleichhäuschen. In ihm fand alles Platz, was man zum Bleichen der Wäsche auf dem Rasen brauchte. Heute werden die einzelnen Parzellen ganz individuell genutzt mit einer bunten Vielfalt aus Blumen und Gemüse, Zier- und Beerensträuchern. Da es die privaten Gärten der Stiftsdamen sind, bleiben sie den Besuchern leider verschlossen.

Den gesamten Garten umschließt die Klostermauervon drei Seiten, vom Klosterhof ist er durch eine Hecke getrennt. Von hier aus ist aber ein Blick über die Pforte in den Garten möglich. Bis heute leben hier evangelische Frauen unter der Leitung einer evangelischen Äbtissin.

Berühmt wurde das Kloster durch seine Ebstorfer Weltkarte mit einem Durchmesser von etwa 3,6 Metern und einer Fläsche von über 10 Quadratmetern. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert – zu dieser Zeit stellte sich die Menschheit die Welt als eine Scheibe vor, um welche Sonne und Mond kreisen. Weil die Sonne im Osten aufgeht („Ex Oriente Lux“), ist die Karte oben nach Osten ausgerichtet. Während Afrika am rechten, also südlichen Rand zu finden ist, liegt Asien oben, Europa im linken unteren Viertel, umgeben vom Mittelmeer und zahlreichen Flussläufen.

In der linken Ecke im Ausschnitt sehen wir Lüneburg (‚Lunebch c.‘) und daneben Braunschweig (mit Löwe) außergewöhnlich groß dargestellt. Dies kann ein Indiz dafür sein, dass sich der Verfertiger der Karte in dieser Gegend besonders gut auskannte. Bezeichnend ist die Unterordnung des Ganzen unter das Bild und den Leib Christi, sein Haupt oben, seine Hände links und rechts, und seine Füße am unteren Ende der Karte.

Mit dem Bild Jerusalems in der Mitte, dargestellt, wie in der Offenbarung Johannes zu lesen, mit einer goldenen Mauer, erkennt man den religiösen und sakralen Zweck der Karte. Biblische Motive wie die Arche Noah, der Turm von Babel, das Paradies ganz oben, usw. stehen im Vordergrund. Die Karte wurde 1830 in einem „feuchten Gemach“, einer fensterlosen Abstellkammer, zusammen mit Altardecken und Prozessionsgerät, aus der Zeit vor der Reformation, im Kloster aufgefunden.

Durch die unsachgemäße Lagerung der Pergamentrolle aus 30 Ziegenhäuten war ein Teil im Nordwesten Europas unleserlich geworden. Das Original ist 1943 in Hannover bei einem Luftangriff verbrannt. Im Kloster kann man eine originalgetreue Kopie besichtigen. Eine zweite Kopie befindet sich in Lüneburg und eine dritte wurde dem griechischen Königspaar geschenkt.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die mittelalterlichen Glasfenster im Nonnenchor, die Madonnenstatuen im Kreuzgang aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, eine Figur des Heiligen Mauritius, das Taufbecken von 1310, und eine Renaissancekanzel von 1615 – außerdem verschiedene mittelalterliche Truhen und Schränke.

Das Kloster Ebstorf ist seit Jahrhunderten im Besitz einer Klosterfahne, die beim Schützenfest an den Klosterfähnrich übergeben wird und das Fest begleitet. Diese Tradition lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Im 13. Jahrhundert entstand eine dem Kloster angeschlossene Bruderschaft, zunächst überwiegend als Not- und Totengilde, im Laufe der Jahrhunderte immer stärker auch zum Schutz des Klosters. Diese Schutzidee und das dieser Idee zu Grunde liegende Vertrauen hat sich erhalten und bewährt bis auf den heutigen Tag. Heute drückt sich diese Verbindung insbesondere auch durch die Einbindung des Klosters in das jährliche Schützenfest aus.

Ob der Trommler mit den Kindern unterwegs ist, ein traditionelles Ständchen für die Äbtissin gebracht wird, der Schützenkönig vorgestellt wird oder die Klosterfahne für die Festtage abgeholt wird, immer ist das Kloster beteiligt. Auch der Schutzgedanke ist bis heute erhalten geblieben. So begleitete die Schützengilde in voller Uniform an einem Tag des offenen Denkmals die Besuchermassen und sorgte für einen störungsfreien Ablauf.

Die Fahne wurde traditionell von der jeweiligen Äbtissin mit dem Motiv des Mauritius, dem Schutzpatron des Klosters bemalt – soweit die Überlieferung. Diese schwierige Aufgabe haben heute die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstatt des Niedersächsischen Staatstheaters in Hannover übernommen. So ist wieder ein Kleinod entstanden, welches das Kloster für die nächsten Jahrzehnte würdig repräsentiert.

Klosterführungen:

vom 1. April bis 15. Oktober werktags vormittags 10 – 11 Uhr fortlaufend,

Sonntags vormittags 11.15 Uhr, nachmittags 14 – 17 Uhr fortlaufend.

Montags geschlossen.

vom 16. bis 31. Oktober Di. – So. um 14 Uhr

Eintrittspreise:

pro Person: 4,00 €, in Gruppen ab 20 Personen: 3,50 €

Schüler, Studenten, Erwerbslose: 3,00 €, dto. in Gruppen wie oben: 2,00 €

Adresse: Kirchplatz 10, 29574 Ebstorf, Tel: 05822/2304